Lina van de Mars und Sidney Hoffmann

Lina van de Mars und Sidney Hoffmann werden uns helfen, den Crafter zu einer rollenden Forschungsstation umzubauen, die schon bald Städte überall auf der Welt erkunden wird.


© Andy Küchenmeister

Lina van de Mars, die über Tuning-Sendungen im Fernsehen bekannt wurde, hat Kunstgeschichte studiert und ist gelernte KFZ-Mechanikerin. Manche ihrer Autos sind nicht nur zum anschauen, sondern werden auch für Rennen genutzt. Sie besitzt selbst eine Rennlizenz und immt an Rallyes teil – derzeit an der niederländischen Offroad-Meisterschaft mit einem Buggy.

Interview mit Lina van de Mars

»Kunst aufs Automobil übertragen«

ON DISPLAY: Du hast Kunstgeschichte studiert. Spielt Kunst in deiner Arbeit eine Rolle?

LINA VAN DE MARS: Ich beschäftige mich viel mit zeitgenössischer Kunst, mich interessiert zum Beispiel Street-Art. Ich versuche Elemente aus der Kunst aufs Automobil zu übertragen – das gilt vor allem für die Haltung.

OD: Welche Künstler inspirieren dich?

LVDM: Icy & Sot finde ich sehr spannend, zwei Iraner, die im Street-Art-Bereich unterwegs sind. Die beiden arbeiten mit Alltagsgegenständen, wie zum Beispiel Satellitenschüsseln, aber auch mit Müll, um politische Fragen zu thematisieren. Mich interessieren nicht nur berühmte Künstler, sondern auch Leute, die im Underground unterwegs sind.

OD: Deine andere Leidenschaft ist Musik. Welche Rolle spielt Musik für dich, was hat sie mit Tuning zu tun?

LVDM: Also, ich habe ganz lange Punkrock gemacht, weil mir das aus der Seele sprach. Ich liebe aber auch Jazz und klassische Musik. In der Werkstatt höre ich viel Jazz und Soul, weil ich dann freier denken kann. Aber mein Leben als Musikerin würde ich abgrenzen von meinem Leben als Mechanikerin und Tunerin. Das sind doch sehr unterschiedliche Denkweisen. Eine Verbindung gibt es: Man muss in beiden Bereichen kreativ sein.

OD: Vielleicht gibt es dennoch eine inhaltliche Verbindung zwischen dir als Tunerin und dir als Punkrockerin: Die Abgrenzung vom Mainstream. Oder anders gefragt: Gehörst du zum Tuner-Underground?

LVDM: Ich gehöre definitiv nicht zum Mainstream, sondern eher zum Tuner-Underground. Allein schon, weil ich eine der wenigen Frauen bin, die in der Tuning-Szene aktiv sind. Und weil ich nicht kommerziell arbeite. Ich bin nicht so eine »breiter, tiefer, schneller Tante«, sondern eher eine Künstlerin.

OD: Momentan arbeitest du an einem Golf I, für den die berühmte Architektin Zaha Hadid eine Inspiration war. Wie bist du auf sie gekommen?

LVDM: Ich finde Architektur schon immer spannend. Und die Architektur von Zaha Hadid mit ihren fließenden Formen spricht mich seit Jahren an. Außerdem ist sie ein spannender, ausdrucksstarker Mensch. Sie hat erst Mathematik studiert, dann Architektur, und schließlich wurde aus ihrer Arbeit Kunst. Ihr Leben ist an und für sich schon eine Inspiration. Leider ist sie bereits verstorben. Wenn ich mir wünschen könnte, mit wem ich mal Abendessen gehen könnte, wäre sie auf jeden Fall dabei!

OD: Ich denke bei Zaha Hadid, die eine sehr elegante, vornehme Frau war, eher an einen Jaguar als an einen Golf GTI.

LVDM: Ich finde auch, dass ein Jaguar gut zu Zaha Hadid passt – allein schon aufgrund ihrer Eleganz. Aber genau darin liegt ja die Herausforderung. Deshalb habe ich für sie auch ein Cabrio ausgesucht. Außerdem passt die Kantigkeit des GTI gut zu Hadids früher Architektur. Und im Inneren des Autos wird es weicher, fließender, runder – das entspricht dann ihren späten Arbeiten.


© SIIND / Sidney Industries

Sidney Hoffmann ist kein Unbekannter in diesem Bereich: Der Tuner verfügt über einen eigenen You-Tube-Kanal mit weit über 20.000 Abonnenten und war unter anderem in der Sendung 2 Profis für 4 Räder im Fernsehen zu sehen. Außerdem hat er mit Sidney Industries auch eine eigene Werkstatt samt Shop.

Interview mit Sidney Hoffmann

»Ein Projekt ist niemals fertig«

ON DISPLAY: Sind Tuner eigentlich Designer?

SIDNEY HOFFMANN: Ja, also ich bin ein verkappter Designer. Ich habe eine Idee, eine Vorstellung davon, wie ein Auto aussehen soll, damit es etwas anderes, besonderes ist – und dann setze ich sie um.

OD: Wo kommen deine Ideen her, was inspiriert dich?

SH: Mich inspiriert alles. Ich gehe zum Beispiel durch den Supermarkt und da bekomme ich Ideen. Meine Freundin denkt manchmal, ich sei auf Drogen, aber dann sag ich ihr: »Hey, du weißt doch, ich arbeite gerade an dem GTI.« Ich kriege meine Inspirationen einfach überall her.

OD: Fertigst du von diesen Ideen Zeichnungen, Entwürfe, Skizzen an?

SH: Wenn ich selber versuche zu zeichnen – totale Katastrophe. Also, das klappt frühesten nach drei Tagen, aber dann ist die Vision schon so alt, dass sie sich völlig verhärtet hat. Und das ist nicht gut. Ich mache nur eine Skizze für mich als Gedächtnisstütze, dann gebe ich das Leuten, die das richtig gut visualisieren können.

OD: Hast du Vorbilder?

SH: Klar, ich bin oft in Amerika, in Los Angeles, dort ist der Tuningmarkt größer und flexibler als bei uns, weil es keinen TÜV gibt. Da gibt es Kollegen, zu denen schaue ich auf, das sind Vorbilder und Inspiration. Aber keiner will sich gegenseitig übertrumpfen, wir tauschen uns aus, vor allem in der Entwicklungsphase, regen uns gegenseitig an. Und ich versuche, den Spirit aus den USA und aus anderen Ländern nach Deutschland zu holen.

OD: Beim Tuning geht es immer auch um Optimierung. Gibt es einen Punkt, an dem man sagt: Jetzt ist es optimal, jetzt ist es fertig, jetzt kann man nichts mehr optimieren?

SH: Nein, ein Projekt ist niemals fertig. Du musst einfach irgendwann sagen: Jetzt ist Schluss. Die Technik entwickelt sich weiter, du entwickelst dich weiter. Ich habe mal einen Beetle gemacht, wenn ich mich da jetzt reinsetze, fallen mir lauter Sachen auf, die ich anders, besser machen könnte. Weil ich mich weiterentwickelt habe. Also: Es hört nie auf – und es kommt immer ein neues Projekt.