Ausstellen als Prozess

Design auszustellen bedeutet mehr, als einfach schöne Dinge zu zeigen. Es bedeutet, ein Statement zu Design abzugeben. Design zu inszenieren heißt, einen Dialog anzustoßen: zwischen den Exponaten, Designern, Ausstellungsbesuchern und der Autostadt. So wird Ausstellen zu einem Prozess, der zum Experimentieren, Diskutieren und Nachdenken anregt.

1 Design als Statement

Eine Ausstellung über Design, über ein erweitertes Verständnis von Design, muss das Ausstellen als Form der Gestaltung mitdenken: Die Auseinandersetzung mit Design beginnt mit dem Design des Ausstellens selbst. Als Entwurf einer Vorgehensweise versteht sich das Ausstellungskonzept nicht als reine Verräumlichung, Vermittlung oder Inszenierung, sondern als Ermöglichung einer Ausstellung und somit als eigene (Design-)Behauptung. 

Spezifik des Designs

Um Design als etwas Zeitgenössisches und zugleich Historisches auszustellen, als etwas, das stattfindet und sich weiterentwickelt, dabei aber Geschichte und Kontext hat, genügt eine ordnende Ausstellungsstruktur nicht. Die Ausstellungsgestaltung möchte weniger Überblick geben als Einblicke ermöglichen. Dies geschieht durch die radikale Reduktion der Anzahl ausgestellter Exponate, die in der Konzentration auf ausgewählte Designansätze eine (kritische) Auseinandersetzung erst möglich macht. 

3 Austellen als Prozess

Um die angestrebte Spezifik von Einzelbetrachtungen in einen argumentativen Zusammenhang zu stellen, schlagen wir einen Prozess vor: Eine Abfolge von Positionen baut über mehrere Ausstellungen hinweg eine Erzählung auf. Dies ermöglicht der Ausstellung sowohl eine hohe Aktualität als auch eine eigene Geschichtlichkeit. Es bietet die Chance, sich dem, was Design war, ist und sein könnte, etappenweise und aus unterschiedlicher Perspektive anzunähern. 

Arbeitsprinzip Dialog

Die Ausstellung ist eine Auseinandersetzung zwischen zwei Design-Positionen – die in einen weiteren Austausch mit den Besuchern der Ausstellung treten. Als Arbeitsprinzip stellen wir so neben den Prozess den Dialog –  als freundschaftliches Gespräch, inhaltliche Ergänzung, konstruktiven Widerspruch oder gar grundsätzlichen Disput. In wechselnden Paarungen treten Dinge, Objekte, Positionen oder Projekte in einen Zusammenhang. Der Dialog und die Auseinandersetzung als Leseweise einer Ausstellung beginnen zwischen den Exponaten selbst.

5 Die Austellung als Teil zeigenössischer Debatten

Eine Ausstellung über Design steht in engem Wechselverhältnis mit seinem Gegenstand. Indem sie auswählt, interpretiert und darstellt hat sie Einfluss auf den Diskurs und die Praxis des Designs. Wir denken darum die Ausstellung als Magazin, ihre Gestaltung und Architektur als Layout und den Kurator als Redakteur. Das Magazin als – formal definiertes – Prinzip strukturiert und kommuniziert spezifische Inhalte über eine zeitliche Abfolge. Es ist zugleich aber auch wesentlicher Akteur in der Auseinandersetzung über Design. Damit reagiert das Ausstellungskonzept auf ein Defizit in der Designwelt: Es fehlt an Raum und Kontext, in dem Designpositionen herausgestellt werden können.

Redaktion
Design Team
Kurator
Produktionsbüro

6 Archiv als Behälter des Prozesses

Das Ausstellen eines zweiseitigen Prozesses hat immer etwas Ausschnitthaftes. Dies ist der methodische Ansatz. Dennoch muss die Möglichkeit gegeben sein, dem Ablauf und damit einer übergreifenden Erzählung zu folgen. Die Repräsentation der Inhalte in anderen Medien und ihre Dokumentation in einem Archiv akkumulieren die Zeitausschnitte und Teilbehauptungen. Jede Ausstellung ist zugleich Zeitschrift und Online-Ausgabe, somit unabhängig von Ausstellungsraum und -zyklus, wenngleich darin als physisches Archiv verortet.

Präsentation

7 Raum als Raum

Das Ausstellungskonzept setzt nicht primär auf eine räumliche Inszenierung von Objekten in einer Innenwelt, die der Überzeugung des Publikums dient. Die Objekte werden vielmehr in einer übergroßen Vitrine in den Kontext der Autostadt gestellt. Die Vitrine ist Ausstellungsraum, ihre Umgebung hingegen bleibt Raumabschnitt eines Gesamtgebäudes, zurückgeführt auf ihre Funktion als Teil bestehender Architektur. Die Qualitäten des umgebenden Raumes liegen in der offenen Bezüglichkeit zu anderen Räumen wie Foyer, Treppen oder Außenraum. Um verständlich zu sein, muss diese Neuausrichtung der Ausstellungsarchitektur präzise ausgeführt werden. Die dazu notwendigen Maßnahmen bleiben so gut wie unsichtbar.

Dokumentation

8 Unauffällige Displays

In diese Ausstellungszone mit uneindeutiger Begrenzung werden ein knapper Einführungstext, eine Vitrine und ein Magazinarchiv platziert. Einführung und Archiv bewegen sich – im Gegensatz zur Vitrine – nahe an der Bestandsarchitektur. Die Einführung setzt auf ein Format, das Aktualität wie zeitliche Schichtung verkörpert: Das Poster – additiv, Schicht um Schicht, Einführung um Einführung an der Plakatwand um eine Säule des Gebäudes angebracht. Das Archiv hingegen lehnt sich an die Fensterfront mit Blick auf Wolfsburg an und bildet eine dritte innere Fassadenschicht. Die Auslage ist Archivdisplay aller Ausstellungen und zugleich Leseort und Mitnahmestation.

9 Vitrine als Bühne für Experimente

Die Vitrine wird als Container der Inszenierung entworfen: Jedes ausgestellte Projekt setzt sich aktiv mit ihr auseinander, jedes hineingestellte Ding begegnet darin einem anderen. Die – sehr große – Vitrine verschleiert als eingeübte Form der Repräsentation das Ausstellen und deren Geste der Inwertsetzung nicht. Sie behauptet sich als Gegenüber des Besuchers. In ihrer Form als Prisma, das geometrische Grundform sowie ein Werkzeug zur Untersuchung des Lichts ist, steht sie für eine experimentelle Versuchsanordnung.